Zur Vorbereitung unseres P-Seminars besuchten wir kurz vor den Weihnachtsferien die Glyptothek sowie auch die Staatliche Antikensammlung in München. Frau Rudnicki, eine Expertin vom MPZ, gab uns in einer überaus interessanten, zweistündigen Führung einen Einblick in die Museumspädagogik.
Dabei lernten wir verschiedene museumspädagogische Methoden, wie Spiele, Erzählungen oder spezifische Materialien, kennen, mit denen sich antike Inhalte pädagogisch sinnvoll und handlungsorientiert vermitteln lassen und probierten viele interessante Tools aus.
Zum Beispiel sollten wir in der Glyptothek eine männliche Statue analysieren, indem wir zunächst den ersten Eindruck des Kunstwerkes auf uns beschreiben sollten. Bei näherer Betrachtung des Standbilds bemerkten wir, dass es sich bei der dargestellten Person nicht – wie wir zuerst annahmen – um einen Mann, sondern um einen Faun handelt. Damit eröffnete sich für uns eine überraschend neue Perspektive, was unseren ersten Eindruck von dem Kunstwerk entscheidend veränderte.
Eine weitere Methode, die wir erlernten, ist die des kreativen Arbeitens. Uns wurde die Aufgabe gegeben, einen Rap über eine Statue zu schreiben. Nachdem alle fertig waren, wurden einige Arbeiten vorgelesen und Frau Rudnicki erzählte, wen die Statue darstellt. Dadurch wurde deutlich, wie unterschiedlich die Zugänge einzelner Personen zu einem Kunstwerk sein können.
Des Weiteren erfuhren wir, dass man Statuen oftmals anhand von Symbolen identifizieren kann und wie diese Symbole mit Ereignissen aus ihrer Hintergrundgeschichte zusammenhängen. Zum Beispiel deutet die Leier eines Standbilds darauf hin, dass es sich hierbei um den Gott Apollon handelt. Auf einem Diadem einer weiblichen Statue sind verschiede Tiere zu sehen, was darauf hinweist, dass hier Diana, die Göttin der Jagd, dargestellt ist.
Im Anschluss an unseren Besuch in der Glyptothek erfolgte eine Besichtigung der Staatlichen Antikensammlung, wo Frau Rudnicki uns zunächst einige sehenswerte Exponate zeigte. Auch hier wurden uns wieder verschiedene Tools der Museumspädagogik vermittelt. So ergänzte Frau Rudnicki ihren Vortrag über eine griechische Amphore, auf der antike Ringkämpfer abgebildet waren, durch Anschauungsmaterial: Sie reichte das Modell eines antiken Ölfläschchen herum, das Sportler getragen haben, um ihren Körper damit einzusalben.
Anschließend schlüpften wir selbst in die Rolle von Künstlern und erhielten in Gruppenarbeit den Auftrag, einzelne auf Folie aufgedruckte Symbole auf einer abgebildeten Schale anzuordnen. Nach der Fertigstellung unserer Gestaltung wurden die Schalen verglichen und jede Gruppe erklärte ihre Verzierungstechnik. Danach sollten wir die ausgestellte Originalschale suchen, um sie anschließend mit unseren Schalen zu vergleichen. Daraufhin erklärte uns Frau Rudnicki, was es mit dem Bild auf dem antiken Originalgefäß auf sich hat und wie dies mit der Benutzung der Trinkschale übereinstimmt: Auf der sogenannten „Dionysos-Schale“ – einem der bekanntesten Werke der antiken griechischen Keramik - ist der Gott des Weines auf einem Segelschiff liegend dargestellt. Trinkt man aus der Schale, scheint es, als ob Dionysos in einen hineinfahren würde. So entstand beim Trinkenden ein dionysisches Gefühl, also ein rauschhafter Zustand, welcher unter der Wirkung des Alkohols entstand.
Insgesamt haben wir Seminaristen durch diese Museumsführungen einen umfassenden und überaus informativen Einblick bekommen, wie man einen Museumsbesuch möglichst kreativ gestaltet, damit unser geplanter Ausflug mit den Schüler/innen der 7. Jahrgangsstufe im kommenden Schuljahr möglichst abwechslungsreich und interessant wird.
Merle Angermaier